Auf den Spuren der RE/Formation – Auftakt

Ich schulde Ihnen ein paar Posts, richtig? Sie haben vollkommen recht, ich habe schon eine Weile nichts von mir hören lassen.
Das liegt zum einen daran, dass ich mir bisher noch keine Scheuklappen und Ohrstöpsel zugelegt habe. Ich sitze also mitten im Gewusel und versuche gleichzeitig zu schreiben und nichts zu verpassen. Sie können es sich vielleicht denken: Meine Neugier gewinnt all zu oft.

Doch meine Wissbegier ist nicht allein der Grund für die längere Pause. Nein, wir waren unterwegs, um auf Luthers Pfaden zu wandeln. Am Dienstag besuchten wir zum Beispiel das Augustinerkloster hier in Erfurt.
Wussten Sie, dass Luther ins Kloster eingetreten ist, weil er dies der heiligen Anna in Todesangst während eines heftigen Gewitters versprochen hatte? Ich gebe zu, ich wusste es nicht.
Axel Große, Bildungsreferent der Tagungs- & Begegnungstätte Evangelisches Augustinerkloster zu Erfurt, hat uns in einer lebendig gehaltenen Führung diese und allerei andere Geschichten über das Kloster und Luther erzählt.

Ein beeindruckendes Erlebnis war die Besichtigung der Bibliothek des Augustinerklosters.
Dr. Michael Ludscheidt, stellvertretender Kurator und Bibliotheksleiter, empfing uns dort und nahm uns mit in die Welt der Bücher. Zwischen teils um die 800 Jahre alten Werken beantwortete er geduldig unsere Fragen und erzählte er uns von der schönen Tradition, dass seit Beginn der Sammlung jeder Pfarrer der Gemeide zu seinem Amtsbeginn und Amtsende ein Buch stiftet.

Ganz besonders faszinierten uns die Anschauungsexemplare, zum Beispiel eine frühzeitliche, ins Deutsche übersetze Bibel, in mühevoller Handarbeit auf Pergament kalligraphiert, mit Farben, die bis heute leuchten wie am ersten Tag oder eine der ersten gedruckten Bibeln oder das Prozessionsbuch mit den filigranen Kaltnadelradierungen…

Der Besuch im Augustinerkloster sollte an diesem Tag nicht unsere letzte Station außerhalb der Werkstatt gewesen sein. Nach einer obligatorischen Bratwurstpause besuchten wir das Kunstmuseum Erfurt im Kulturhof zum güldenen Krönbacken.
Dort findet momentan im Rahmen des Reformationsjubiläums die Ausstellung These – Antithese des Verbandes Bildender Künstler Thüringen e. V. (VBKTh) statt, bei der auch eine Emailarbeit unserer Teilnehmerin Mandy Rasch zu sehen ist.
Außerdem findet dort am 9. Septemper die Vernissage des 16. ERFURTER SCHMUCKSYMPOSIUMS statt. So hatten die Künstler*Innen zusätzlich die Chance, die Räumlichkeiten schon einmal zu besichtigen und über mögliche Ausstellungsformate zu brainstormen…

Am Abend ludt dann Dorothea Höck in der Georgenburse zum philosophischen Gespräch.
Nach einem kleinen Vortrag zum Thema Krisen in Verbindung mit Luther und der Reformation kamen wir mit weiteren Teilnehmern über Krisen und die Möglichkeiten, die sie beinhalten, ins Gespräch. Schnell wurde klar, dass das Spannungsfeld dieses Themas zwischen persönlichen und globalen Krisen in 2 Stunden kaum greifbar war. Wir schlossen aber mit dem optimistischen Gedanken, dass jede*r von uns, so minimal unsere Veränderungen im Großen gesehen vielleicht auch ausfallen mögen, dennoch daran festhalten sollte, in der Hoffnung, dass andere es uns gleich tun, frei nach Mahatma Gandhis Ausspruch: Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.

Und manchmal zeigt sich diese kleine Veränderung eben in Gestalt eines handgemachten Schmuckstücks, das jemandes Herz erfreut…
… oder in einem Glas leckeren Rotweins, mit dem wir uns gemeinsam und lachend im Ungarischen Bistro Abendbrot von einem interessanten, aber auch anstrengenden Tag erholen.

In diesem Sinne: Auf Wiedersehen!

Bis zu unserem nächsten Ausflug auf den Spuren der RE/Formation…

 

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5 Kommentare

  1. Liebe Mo,
    an dem Begriff „Buch aufschlagen“ bin ich auch hängen geblieben. Man benutz ihn einfach, ohne drüber nach zu denken, wo er her kommt. Danke für das Schließen dieser Wissenslücke.
    Liebe Grüße
    Anne

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  2. Liebe Mo,

    vielen Dank für den spannenden Einblick ins Augustinerkloster. Ich stecke gerade mitten in „Der Name der Rose“ (als Hörbuch) und bin deshalb voll in der geheimnisvollen Welt einer Bibliothek und ihrer Bücherschätze. Die Wortherkunft vom „Buch aufschlagen“ war mir auch neu – super interessant! Schon alleine wegen der Bibliothek möchte ich jetzt auch unbedingt mal nach Erfurt.

    Auch der Kulturhof des Kunstmuseums wirkt wie ein faszinierender Ausstellungsort. Bin gespannt, wie die Schmuckarbeiten dort zur Geltung gebracht werden.

    Herzliche Grüße
    Ulrike

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